by Kristen Guest

Auf das “nein” hören

Auf das “nein” hören

Als ich im Erwachsenenalter wieder anfing zu reiten, sagte mein erstes Pferd laut und deutlich “Nein”. Er machte zwar die Dinge ganz vergnügt mit, die ihm Spaß machten, aber mein Ziel - Dressurreiten zu lernen - rief bei ihm eine wahre Welle der Empörung von epischen Dimensionen hervor. Das fühlte sich natürlich schrecklich an. Ich dachte, dass er gut behandelt wurde, und die Bitten, die ich an ihn richtete, waren nicht sehr schwierig. Warum also verbrachte er seine Zeit damit zu versuchen, mir das Leben schwer zu machen? Warum sagte er immer wieder “nein”?

Geduld beim Reiten

Geduld beim Reiten

Wenn ich ein Mantra für mein Reiten habe, ist es “Ich habe Zeit”. Podhasjskys Überzeugung, dass Geduld ein Eckpfeiler der Reitkunst ist, berücksichtigt die Tatsache, dass das Pferd Zeit braucht, um die Kraft, die Balance und das Verständnis zu entwickeln, um sein volles Potential zu erreichen und gleichzeitig gesund und zufrieden in seiner Arbeit zu bleiben.  Gleichzeitig kämpfe ich heftig mit der Ungeduld: Mit dem Wunsch Fortschritte zu machen, in die nächste Klasse aufzusteigen. Dieses Jahr werde ich 50, und ich sehe immer mehr, dass meine reiterlichen Ambitionen einkalkulieren müssen, dass meine Zeit nicht unbegrenzt ist. Diese Wahrheit zu beherzigen, dass ich nur dann hoffen kann, mein Ziel zu erreichen, wenn ich mir so viel Zeit lasse, wie nötig, ist schwer. Es ist ebenfalls schwer, die richtige Perspektive zu bewahren, wenn mein Pferd mehr Zeit braucht oder wenn ich etwas nicht verstehe und monatelang (oder jahrelang!) damit ringe, bis mir ein Licht aufgeht und ich wieder Fortschritte machen kann. Am schwersten ist es, zu sehen, wie andere scheinbar mit Leichtigkeit Dinge reiten können, mit denen mein Pferd und ich Schwierigkeiten haben.