Dressur als Physiotherapie, Teil 2

Dressur als Physiotherapie, Teil 2

Balance, Geraderichtung und Geschmeidigkeit. Diese drei Themenbereiche sind sehr eng mit einander verbunden, wie ich im Teil 1 bereits erwähnte. Die Balance setzt sich zusammen aus der longitudinalen Balance und der seitlichen Balance. Die longitudinale Balance (d.h. die gleichmäßige Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterbeinen) entwickelt sich aus einem gleichmäßigen Tempo, das weder zu schnell noch zu langsam ist.

Dressur als Physiotherapie [VIDEO]

Dressur als Physiotherapie [VIDEO]

In dieser VIDEO erklären wir, wie man gymnastische Übungen einsetzen kann, um das Pferd gesund zu erhalten oder wieder gesund zu reiten. Sie werden lernen, worauf Sie im Training achten müssen, um Ihr Pferd gesund zu halten.

Dressur als Physiotherapie, Teil 1

Dressur als Physiotherapie, Teil 1

Pferde sind nicht dazu gemacht, Lasten auf ihrem Rücken zu tragen. Die Anwesenheit des Reitergewichts stört daher zunächst die Balance des Pferdes. Es verändert die Lage des Schwerpunkts und kann die Bewegungsfreiheit des Pferderückens und der Beine einschränken. Fühlt sich das Pferd durch die Reiterin in seiner Balance gestört, wird es bestimmte Muskeln verspannen und sich gegen das Reitergewicht und den Boden stemmen, was zu ungesunden Bewegungsabläufen führt. Muskuläre Verspannungen verringern den Bewegungsrahmen der betroffenen Gelenke und sie führen zu einem harten Auftreten der Beine auf dem Boden, was nicht nur unbequem für Pferd und Reiterin ist, sondern auch die Sehnen und Gelenke des Pferdes unnötig belastet.

Wollen wir das Pferd gesund erhalten, müssen wir also die negativen Auswirkungen unseres Gewichts ausgleichen, indem wir dem Pferd helfen, sich mit demselben Bewegungsrahmen, derselben Leichtigkeit, derselben Balance und derselben Geschmeidigkeit unter der Reiterin zu bewegen wie in Freiheit.

Geschichte der Aufrichtung aus der Tiefe

Geschichte der Aufrichtung aus der Tiefe

Wenn man die Entwicklung der Reitkunst über längere Zeiträume verfolgt, stellt man in vielen Bereichen eine Pendelbewegung fest. Es gibt Modeerscheinungen, die bis zu einem gewissen Extrem getrieben werden. Dann ändern sich die Meinungen und das Pendel schwingt in die entgegengesetzte Richtung, wieder bis zu einem Extrem. Obwohl diese Entwicklungen oft auf richtigen Beobachtungen in Teilbereichen beruhen, sind die Extreme meist nicht zielführend und bringen oft gesundheitliche Nachteile für das Pferd mit sich. Es ist immer gefährlich, wenn man eine Beobachtung in einem Detail der Ausbildung verabsolutiert, zum einzigen Bewertungskriterium macht und dann auf die Spitze treibt, nach dem Motto: mehr ist besser.

Ein Beispiel solcher Extreme sind zwei diametral entgegengesetzte Einstellungen zum Vorwärts-abwärts Reiten. Am einen Ende des Spektrums befinden sich diejenigen Reiter, für das Vorwärts-abwärts Dehnen das höchste Ziel der Dressurausbildung und die Antwort auf alle Probleme darstellt. Viele davon glauben, dass man in der Pferdeausbildung nichts anderes machen darf, bis das Pferd sich vorwärts-abwärts dehnt. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich diejenigen, die jegliches vorwärts-abwärts kategorisch ablehnen, weil es ihrer Meinung nach das Pferd auf die Vorhand bringt und die Beine ruiniert.

Wenn ein fliegender Wechsel nicht gelingt

Wenn ein fliegender Wechsel nicht gelingt

Wenn ein fliegender Wechsel nicht gelingt, liegt der Grund meistens darin, dass das Pferd schief wurde und/oder auf die Vorhand fiel. Das resultiert in einem Verlust der Verbindung des inneren Hinterbeins mit dem Boden, dem Reitergewicht und den Zügeln, was u.a. dazu führt, dass die Paraden nicht mehr durchgehen. Deswegen verbessert sich die Situation in der Regel auch nicht, wenn man weiter galoppiert und die Hilfe für die fliegenden Wechsel immer wiederholt.

Auf das “nein” hören

Auf das “nein” hören

Als ich im Erwachsenenalter wieder anfing zu reiten, sagte mein erstes Pferd laut und deutlich “Nein”. Er machte zwar die Dinge ganz vergnügt mit, die ihm Spaß machten, aber mein Ziel - Dressurreiten zu lernen - rief bei ihm eine wahre Welle der Empörung von epischen Dimensionen hervor. Das fühlte sich natürlich schrecklich an. Ich dachte, dass er gut behandelt wurde, und die Bitten, die ich an ihn richtete, waren nicht sehr schwierig. Warum also verbrachte er seine Zeit damit zu versuchen, mir das Leben schwer zu machen? Warum sagte er immer wieder “nein”?

Umschalten, wenn es nicht gut läuft

Umschalten, wenn es nicht gut läuft

Ich bekam diese Frage in einer Frage und Antwortstunde in einem unserer Kurse: Was soll man tun, wenn man an einem Problem oder an einer Übung arbeitet und es nicht besser wird? Wie schaltet man um und was macht man stattdessen?

Das passiert allen ambitionierten Reitern früher oder später. Wir konzentrieren uns so stark auf das, woran wir arbeiten, dass wir die Perspektive verlieren oder vergessen, auch an anderen Themen zu arbeiten, weil wir unbedingt dieses eine Problem lösen wollen (am liebsten noch heute).

Einerseits ist ein gewisses Durchhaltevermögen durchaus wichtig. Gäbe man beim ersten Anzeichen von Widerständen oder Problemen sofort auf, würde man nicht zum Erfolg gelangen. Andererseits gibt es einen Punkt, ab dem unser stures Durchhalten sich negativ auswirkt und das Problem verschlimmert. In diesen Situationen sollten wir umschalten und unsere Strategie ändern.

Das Prinzip der Bewegungsökonomie

Das Prinzip der Bewegungsökonomie

Es gibt bei allen Lebewesen eine allgemeine Tendenz, Energie zu sparen, Konflikte wenn möglich zu vermeiden und den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Wenn sie sich bewegen, versuchen sie es auf die angenehmste, bequemste Art und Weise zu tun, mit dem geringsten Kraft- und Energieaufwand (sie sind halt auch nur Menschen). Wasser sucht das geringste Energieniveau, indem es bergab fließt, durch Öffnungen hindurch und um Hindernisse herum. Elektrizität sucht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Es ist ein Naturgesetz, das man täglich in zahllosen Manifestationen beobachten kann.